Gonsenheim im Ersten Weltkrieg

Wichtiger Standort im Luftkrieg

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Fort Biehler Fort Bingen Festungsbahn in Nieder-Olm Infanterieraum in Zornheim
Die Festungsstadt am Rhein
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Flugplatz Gonsenheim: Standort von Jagdfliegern im Ersten Weltkrieg

Ballonabwehrkanone im Fort Weisenau5. April 2015 - „Bei uns gibt es eine ‚Manfred-von-Richthofen-Straße‘ sowie eine Straße ‚Am Alten Flugfeld. Beide Straßen erinnern an den ersten Mainzer Flugplatz und an die Zeit des Ersten Weltkrieges“, berichtete ein Teilnehmer bei der Veranstaltung des Heimat- und Geschichtsvereins Mainz-Gonsenheim (HGG) am 26. März 2015. Der Verein hatte zu dem Vortrag  „Bollwerk Mainz: Die Selzstellung in Rheinhessen - eine der wichtigsten Festungen im Westen des Reiches im Ersten Weltkrieg“ eingeladen. Der Referent, Dr. Rudolf Büllesbach, informierte dabei insbesondere über die Bedeutung des Gonsenheimer Flughafens für die Luftabwehr über Mainz bei Angriffen von feindlichen Flugzeugen während des Ersten Weltkrieges.

In seinem Vortrag erinnerte der Referent auch an den verheerenden Luftangriff auf Mainz am 27. Februar 1945, in dem große Teile der Stadt zerstört und mehr viele Menschen ihr Leben verloren haben. „Vor dem Hintergrund dieser schrecklichen Ereignisse wird häufig vergessen, dass Mainz auch Ziel von Bombenangriffen während des Ersten Weltkrieges war“, so Rudolf Büllesbach. So kamen in der Mainzer Neustadt am 9. März 1918 bei einem britischen Luftangriff elf Menschen zu Tode. Noch heute erinnert in der Adam-Karrillon-Straße vor dem Eckhaus zur Forsterstraße eine im Bürgersteig eingelassene Markierung aus halbkreisförmig angeordneten kleinen weißen und schwarzen Pflastersteinen an das damalige Ereignis. Den letzten Fliegerangriff des Ersten Weltkrieges auf Mainz gab es im September 1918, bei dem etwa 13 Bomben abgeworfen wurden. Es entstand Sachschaden an Häusern und an einer Kirche.

Der Luftkrieg war im Ersten Weltkrieg eine neue Erfahrung. Als Festungsstadt war Mainz ein wichtiges militärisches Ziel für feindliche Luftangriffe. Die Stadt hatte eine besondere Bedeutung als Sperrpunkt der hier zusammenlaufenden wichtigen Eisenbahnen und Straßen sowie als Brückenkopf für eine über den Rhein zurück- oder vorgehende Feldarmee. Strategisch wichtige Ziele, deren Luftraum gegen das Eindringen feindlicher Ballons oder Flugzeugen verteidigt werden musste, befanden sich im Bereich der Festung Mainz

  • über der Stadt mit den drei Brücken über den Rhein,
  • über Kostheim mit Schleuse und der Mainbrücke, die 1904 zeitgleich mit der Mainzer Kaiserbrücke in Betrieb genommen worden war,
  • über Uhlerborn mit seinem kriegsbedeutenden Munitionslager und
  • über Bingen-Kempten mit seiner zwischen 1913 und 1915 gebauten Eisenbahnbrücke.

Im Ergebnis waren die militärischen Erfolge der Luftangriffe noch gering Ihre psychologische Wirkung auf die Bevölkerung  war hingegen sehr groß.

Deshalb verwundert nicht, das bereits zu Beginn des Krieges zur Luftabwehr über Mainz die Geschütze von vier Batterien mit Ballonabwehrkanonen (B.A.K.-Batterien) aufgestellt worden waren. Die B.A.K.-Standorte befanden sich auf dem Fort Weisenau (Foto oben links, Quelle: Stadtarchiv Mainz), dem Hochheimer Berg, dem Fort Biehler sowie dem Fort Hartenberg.  Am 10. April 1916 wurde eine Feuerleitungsstelle in der »Mainzer Actien-Bierbrauerei (MAB)« auf der Mathildenterrasse (heute Kupferbergterrasse) eingerichtet. Von hier hatte man eine gute Sicht über die Stadt bis zum Feldberg auf der anderen Rheinseite. Gleichzeitig mit der neuen Organisation wurden die Standorte der alten B.A.K.-Batterien aufgegeben. Bis Juli 1916 waren für die Flak-Batterien neue Stellungen an der Steinernen Straße oberhalb von Kastel und auf dem alten Fort Philipp, in der Nähe des Mainzer Bahnhofs, eingerichtet worden.

Flughafen GonsenheimIn seinem Vortrag informierte der Referent darüber, dass sich im letzten Kriegsjahr die Erkenntnis durchsetzte, dass eine wirksame Luftabwehr nicht nur vom Boden aus erfolgen kann. Als Folge hieraus wurde eine Kampfeinsitzerstaffel (KEST 9) auf dem Flugfeld bei Gonsenheim stationiert (Foto des Flugplatzes von 1920 links, Quelle: H. D. Müller, HGG). Flugplatz und Flugzeughalle befanden sich am Großen Sand. Der Standort in Gonsenheim war ideales Fliegergelände, auch weil sich die »J. Goedecker Flugmaschinenwerke« in der Nähe befanden. Ein Flugzeug des Mainzers Jacob Goedecker war 1912 das erste militärisch in Deutschland genutzte Flugzeug gewesen. Bis zum Ende des Krieges wurden in Gonsenheim mehrere Doppeldecker gebaut und viele Flugzeuge repariert.

Die Hangars auf dem Flughafen blieben nach dem Krieg erhalten. Es gab jedoch keinen Flugbetrieb mehr. Die Franzosen hatten den Flughafen wegen der schlechten Anflugverhältnisse nach Wackernheim verlegt. Nach dem Abzug der Franzosen musste auch dieser Flughafen aufgegeben werden. Ein neuer Flughafen wurde anschließend in Finthen eingerichtet. Betrieben wird dieser heute noch vom  Luftfahrtverein Mainz. Dieser Verein ist Nachfolger des 1911 gegründeten »Verein für Flugwesen Mainz«, der bis 1914 die Flugveranstaltungen auf dem Gonsenheimer Flugfeld organisiert hatte.

 

 

 

Luftabwehr über Mainz während des Ersten Weltkrieges

 

Organisation der Luftabwehr von Mainz während des Ersten WeltkriegesDie Karte (Quelle: Stadtarchiv Mainz) zeigt die Organisation der Flugabwehr von 1914 bis 1916. Batterien für die Ballon-Abwehr-Kanonen (B.A.K.) befanden sich auf dem Fort Weisenau (lila), auf dem Hochheimer Berg (braun), beim Fort Biehler (blau), auf dem Fort Hartenberg (grün), auf dem Hüllenberg in der Nähe von Heidesheim (rot) sowie auf dem Großen Hub zwischen Eltville und Walluf (schwarz). Die Kreise zeigen die Reichweite der Geschütze. Die kleinen Punkte kennzeichnen die seitlichen Beobachtungsstellen.

 

 

 

Der Luftangriff auf Mainz im Spiegel der damaligen Zeit

Zerstörte Häuser in der Adam-Karrillon-Straße nach dem Luftangriff von 9. März 1918Zerstörte Häuser in der Adam-Karrillon-Straße nach dem Luftangriff von 9. März 1918.(Stadtarchiv Mainz)

 

 

 

 

Verlautbarung des Polizeiamts vom 10. März 1918, Betreffend: Fliegerangriff auf Mainz am 9. März 1918:

"Gestern Nachmittag gegen 1 1/2 Uhr wurden in Mainz und Umgebung von einem feindlichen, vermutlich englischen Fliegergeschwader eine größere Anzahl Bomben abgeworfen, die neben bedeutendem Sachschaden, auch vielfach leichte und schwere Verletzungen von Personen sowie leider auch den Tod von 4 Militärpersonen und 7 Zivilpersonen herbeigeführt haben. Unter den getöteten Zivilpersonen befinden sich 2 männliche und 4 weibliche Erwachsene sowie ein Knabe." Namentlich aufgeführt werden diese dann als Karl Codini, Wirt; Heinrich Wolf, Steuermann; Adam Hofmann [14 Jahre], Sohn [eines] Tagelöhners; Meta Cahn, Ehefrau; Maria Willmuth, Ehefrau; Maria Mappes und Katharina Winsiffer, beide Dienstmädchen."

In einem Aufsatz „Was aus dem Mädchen geworden ist. Kleine Archäologie eines Gelegenheitstextes von Anna Seghers“ hat Jochen Vogt die damaligen Ereignisse aufgearbeitet. Unter der Überschrift „Was ist wirklich geschehen?“ zeichnet der Autor die damaligen Ereignisse nach. Zitat:

„Die ‚zwei jungen Dienstmädchen‘ waren im Hause des Verlegers Eduard Goldschmidt in der Schulstraße beschäftigt und haben ein bescheidenes Epitaph in den Memoiren seines Enkels Carl Zuckmayer gefunden. Aber vor allem sollte uns hier Frau Cahn interessieren.

Meta Cahn, geb. Altmann, aus Karlsruhe war verheiratet mit Jacob Cahn, der von seinem Vater Herz Cahn eine Druckerei und Papiergroßhandlung am Bonifaziusplatz geerbt hatte. Die Familie wohnte wenige Minuten entfernt in der Schulstraße Nr. 54, in einer gründerzeitlich-gutbürgerlichen Wohngegend. Die Cahns waren ähnlich gutsituiert und gesellschaftlich anerkannt wie die Familie Reiling, die in der parallel verlaufenden Kaiserstraße Nr. 34 geradezu "herrschaftlich" wohnte und mit den Cahns gut bekannt war. Auch die öffentliche Reaktion nach Meta Cahns Tod zeugt von allgemeiner Wertschätzung, wenn wir dem Neuesten Anzeiger vom 12. März glauben dürfen: "Die erste Beisetzung der Opfer, der Frau Meta Cahn, erfolgte gestern nachmittag. Herr Oberbürgermeister Dr. Göttelmann gab seiner Teilnahme in ergreifenden Worten Ausdruck. Die ganze Stadt vereinigte sich in der Trauer, da ja jeder getroffen werden könne. Rabbiner Dr. Bondi widmete dem Kind seiner Gemeinde einen tränenerfüllten Nachruf."

Eine typische Passage aus der Ansprache des Oberbürgermeisters [Mainzer Journal, 15. 3. 1918] macht den historisch-ideologischen Deutungshorizont anschaulich, in dem dieses Totengedenken gestiftet wird: "Und auch die Toten, denen wir heute die letzte Ehre erweisen, sind gefallen fürs Vaterland. Ihrer wollen wir mit gleicher Liebe gedenken, und ihre Gräber sollen ebenso in Ehren gehalten und geschmückt werden, wie die unserer gefallenen Krieger. [...] Es ist nicht unsere Schuld, daß es so kam, denn wir haben den Krieg nicht gewollt und hätten ihn längst beendet, wenn man unsere zum Frieden ausgestreckte Hand nicht mit Hohn zurückgewiesen hätte. Wir haben auch nicht damit begonnen, den Krieg auf die friedlichen Einwohner der feindlichen Länder auszudehnen, nachdem aber unsere Feinde damit angefangen haben, müssen wir aus Notwehr Gleiches mit Gleichem vergelten. So sind wir denn alle Kämpfer geworden, sie draußen, wir hier im Innern, müssen mit ihnen dulden und aushalten und dürfen nicht verzagen. [...] Einmal aber wird die Sonne des Friedens über den Völkern wieder aufgehen. Ach, daß sie bald erschiene! Dann, so hoffen wir, wird ein milderes, glücklicheres Zeitalter kommen, das uns die heutige schwere Not der Zeit wird vergessen lassen und uns durch das Glück unseres Volkes die schweren Opfer lohnen wird, die wir heute bringen müssen."

Auch das allergnädigste Beileidstelegramm des Großherzogspaares von Hessen-Darmstadt wird in der Presse ausführlich gewürdigt. Das Grab von Meta Cahn ist […] noch heute auf dem Jüdischen Friedhof in Mainz zu finden.“

 

 

Mehr Informationen

Heimat- und Geschichtsvereins Mainz-Gonsenheim

Kapitel im Buch "Bollwerk Mainz"

Aufsatz von Ralf Blank, Strategischer Luftkrieg gegen Deutschland 1914-1918

"...Die britischen und französischen Bombardierungen im Ersten Weltkrieg forderten auf deutscher Seite über 700 getötete Zivilisten, deutschen Luftangriffen auf England fielen rund 1400 Menschen zum Opfer. Zu größeren "moralischen" Auswirkungen und zu kriegswirtschaftlichen Störungen kam es im Deutschen Reich nicht. Dagegen bildeten die Konzepte und Planungen, wie z.B. die Analysen von Lord Tiverton, Grundlage für die seit 1935 durch das neu gegründete Bomber Command der Royal Air Force aufgenommenen Luftkriegsplanungen gegen das Deutsche Reich. Der zwischen 1942 und 1945 gegen Deutschland geführte Bombenkrieg erlangte jedoch eine Dimension, die weit über die 1918 vorstellbaren Auswirkungen eines strategischen Luftkriegs hinausgingen."

 

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»Die Geschichte von Mainz ist in der ältesten Zeit ausschließlich, in der späteren vorwiegend, eine Geschichte seiner Festung und Garnison. Seit nahezu zweitausend Jahren das stärkste Bollwerk und mächtigstes Waffenlager am Rhein, ward Mainz der Schauplatz so vieler Kämpfe, Belagerungen und Kriegsnöte wie keine andere Stadt auf deutscher Erde. Soldaten aus fast allen Ländern der Welt sind im Lauf der Jahrhunderte durch seine Tore gezogen und auf seinen Wällen standen die berühmtesten Feldherren Europas von Drusus bis zu Gustav Adolf, Prinz Eugen, Napoleon und Moltke« (Börckel, 1913)