Die Selzstellung in Rheinhessen

Hauptstellung der Festung Mainz im Ersten Weltkrieg

 

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Fort Biehler Fort Bingen Festungsbahn in Nieder-Olm Infanterieraum in Zornheim
Die Festungsstadt am Rhein
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Die Selzstellung in Rheinhessen

 

Kaiser Wilhelm II. hatte im Juni 1897 entschieden, dass der deutsche Festungsbau neue Wege gehen musste. Ziel war es nicht mehr, die vorhandenen Fortgürtel mit betonierten Bauwerken zu verstärken. Moderne Festungen sollten aus kleineren, stark betonierten Anlagen bestehen. Diese sollten in "aufgelöster Bauweise" über das Gelände verstreut werden, um aus der gegebenen Landschaft einen möglichst großen taktischen Vorteil zu gewinnen. So konnte auf einer Strecke von mehreren Kilometern eine Vielzahl von Befestigungsgruppen entstehen, die "aufgelösten Forts" vergleichbar waren. Frankreich hatte für diese Art des Festungsbaus schnell eine treffende Bezeichnung gefunden: "Les groupes fortifiés de nouvelle génération". In England spricht man in diesem Zusammenhang auch heute noch von dem "new system of fortifications known as 'Befestigungsgruppen' or 'Festen'."

Eine solche Feste, die durchgehend nach modernsten Gesichtspunkten errichtet wurde und sich in mehrere Befestigungsgruppen unterteilte, entstand in Rheinhessen als äußerer Verteidigungsring der Festung Mainz. Die Planung dieser Selzstellung hatte mehrere Jahre gedauert. Verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Linienführungen wurden geprüft und wieder verworfen.

Die Entscheidung über den konkreten Bau und den Verlauf der neuen Feste fiel erst 1907. Am 17. Januar des Jahres hatte der Kaiser in einer Allerhöchsten Kabinettsorder grünes Licht für den Ausbau der Festung Mainz gegeben und entschieden, dass "auf dem linken Rheinufer in der Linie der zukünftigen Befestigungen Wackernheim-Ober-Olm-Ebersheimer-Plateau-Laubenheim (…) Befestigungsanlagen auszuführen" sind. Einige Monate später kam es zu einer zehn Tage dauernden Festungsgeneralstabsreise, die unter Leitung des Generalstabschefs des Armeekorps abgehalten wurde und an der die Stabsoffiziere des Generalstabes, der Fußartillerie und des Ingenieurkorps, sowie jüngere Offiziere der Pioniere und der Infanterie teilnahmen. Untersucht wurde auf dieser Reise, ob und wie die Festung Mainz ihren militärischen Auftrag, den Rückzug für eine auf den Rhein zurückgehende, geschlagene deutsche Armee zu sichern, erfüllen kann. Vor dem Hintergrund dieses Verteidigungsszenarios verständigte man sich darauf, befestigte Gruppen bis an die nördlichen Talränder der Selz vorzuschieben und den Westerberg in Ingelheim einzubeziehen. Ein weiteres Ergebnis bestand darin, den Baubeginn nicht bis zum Kriegsbeginn hinauszuzögern, sondern mit dem Ausbau zeitnah zu beginnen. Hinter dieser Entscheidung stand die Erkenntnis, dass ein neuer Krieg immer wahrscheinlicher wurde und die Festung Mainz nach den vielen Jahren des Stillstands schnell aufgerüstet werden musste.

Mit preußischer Gründlichkeit begann 1908 der Bau der Selzstellung von Heidenfahrt über Ingelheim, Wackernheim, Ober-Olm, Nieder-Olm, Ebersheim, Harxheim, Gau-Bischofsheim bis Laubenheim. Zuständig für die Umsetzung war die Fortifikation Mainz.

Der Aufbau der Selzstellung erfolgte in mehreren Schritten. Die Festungsanlage war – wie auch die Festungen Breslau und Neubreisach - eine sogenannte "Depotfestung". Solche Festungen erhielten im Frieden nur wenige Werke. Der kriegsgemäße Ausbau dieser "Gerippstellung" sollte erst nach der Mobilmachung auf der Grundlage eines Armierungsentwurfs erfolgen.

In den sechs Jahren zwischen dem Baubeginn und dem Beginn des Ersten Weltkrieges veränderte Rheinhessen mit der Selzstellung sein Gesicht. Neue Straßen wurden gebaut und viele Kilometer Schienen verlegt. Angebunden hieran wurden zwölf Festungswerke, die mit neuen Wasserleitungen, Telegraphenkabeln und modernen Fernsprechleitungen verbunden waren. In fünf Ortschaften waren große Plätze angelegt worden, wo Baumaterial und Armierungsgerät für den weiteren Ausbau lagerte.

Nach Beginn des Ersten Weltkrieges erfolgte die Armierung der Festung Mainz. Nach dem Abschluss der Arbeiten war in Mainz und Rheinhessen eine der stärksten Festungen im Westen des Deutschen Reiches entstanden.

In dreizehn Befestigungsgruppen der Hauptstellung und in der vorgeschobenen Stellung Zornheim waren über Rheinhessen verteilt:
- Der Infanteriestützpunkt »Auf der Muhl« (Fort Muhl) mit einer Kaserne, zwei Bereitschafts- und zwei Wachträumen,
- ein Munitionsraum auf dem Rabenkopf (Fort Rabenkopf) mit einer integrierten Befehlsstelle,
- 59 Infanterieräume,
- 28 Artillerieräume,
- 19 Munitionsräume,
- 1 Friedenspulvermagazin in Hechtsheim,
- 1 Friedenspulvermagazin, auch für die gesamte Westfront in Uhlerborn,
- 6 Befehlsstellen mit Telegraphen-Betriebsstellen,
- 3 Wasserbehälter,
- 9 Artillerie-Beobachter,
- 1 MG Raum,
- 55 Wachträume und
- 148 Unterstände.

Zu den einzelnen Infanterieräumen gehörten neben den betonierten Unterständen und Wachträumen noch MG-Räume oder Artilleriebeobachter aus Holz.

In den vorgeschobenen Stellungen auf dem Westerberg, beim Windhäuser Hof und in Mommenheim/Nierstein wurden weitere Infanterieräume für jeweils eine Kompanie gebaut. Diese Stellungen mit ihren Holzbauten hatten die Aufgabe, den Aufmarsch eines möglichen Feindes zu stoppen und den dahinter liegenden eigenen Truppen Zeit zu geben, ihre stärker befestigten Stellungen für den Hauptkampf vorzubereiten.

Insgesamt gab es mindestens

- 11 Infanterieräume entlang der vorgeschobenen Stellung Westerberg,
- 7 Infanterieräume entlang der vorgeschobenen Stellung Windhäuser Hof,
- 7 Infanterieräume entlang der vorgeschobenen Stellung Mommenheim/Nierstein.

Die äußere Verteidigungslinie der Festung Mainz verfügte damit über mindesten 360 Festungswerke, die den inneren Festungsring mit seinen 13 Forts ergänzte.

Die Selzstellung war eine der modernsten Festungswerke ihrer Zeit. Es war "eine beachtliche Festungsfront entstanden, welche die alten Werke von Mainz in den Schatten stellten", so Günther Fischer 1970 zur Selzstellung. Vergleiche zu den Festungen unseres Nachbarlandes finden sich bei anderen Autoren. Ludwig Falk stellte im 1991 erschienen Buch "Die Festung Mainz" fest: Die Selzstellung "konnte durchaus den Vergleich mit gleichzeitigen französischen Festungen aufnehmen." Ähnlich Stefan Dumont in "Festung Mainz" zur Selzstellung: "So ausgebaut konnte Mainz den Vergleich mit Festungen wie Verdun wagen."

Zum Glück ist der Festung Mainz das Schicksal von Verdun erspart geblieben.

 

Mehr Informationen hier

 

 

 

 

Blick ins Buch - Leseprobe zur Selzstellung in Rheinhessen

 

 

Bollwerk Mainz - Blick ins BuchTEIL III | DER ÄUSSERE FESTUNGSRING

KAPITEL 09 | Die Selzstellung in Rheinhessen

 

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Quellen der Bilder beim Start der Seite: Bild- und Plansammlung des Stadtarchives Mainz (Plan 3), Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Berlin (Bilder 1, 2, 4)

 

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»Die Geschichte von Mainz ist in der ältesten Zeit ausschließlich, in der späteren vorwiegend, eine Geschichte seiner Festung und Garnison. Seit nahezu zweitausend Jahren das stärkste Bollwerk und mächtigstes Waffenlager am Rhein, ward Mainz der Schauplatz so vieler Kämpfe, Belagerungen und Kriegsnöte wie keine andere Stadt auf deutscher Erde. Soldaten aus fast allen Ländern der Welt sind im Lauf der Jahrhunderte durch seine Tore gezogen und auf seinen Wällen standen die berühmtesten Feldherren Europas von Drusus bis zu Gustav Adolf, Prinz Eugen, Napoleon und Moltke« (Börckel, 1913)